Finden Sie Ihren idealen Bildbearbeitungsworkflow (und gewinnen Sie wertvolle Zeit)

Blog  »  Marketing & Business, 16. August 2019, Anita Lingott

Nach dem Fotoshooting im Kindergarten oder in der Schule gehört die Bildbearbeitung sicherlich zu den aufwendigsten und zeitintensivsten Schritten. In einer Grundschule mit 350 Kindern, zum Beispiel, kommen schon mal zwischen 3.000 und 3.500 Aufnahmen zusammen, die vor dem Upload gesichtet und bearbeitet werden wollen.

Solche Mengen machen einen guten Workflow absolut unverzichtbar. Denn er erspart Ihnen gerade bei der Bildbearbeitung einen Haufen Zeit und Aufwand, und erhält nicht zuletzt die Freude bei der Arbeit.

In diesem Artikel finden Sie unsere besten Tipps für gutes Vorankommen beim Editieren Ihrer Fotos. So viel verraten wir schon mal vorab: Folgen Sie einer klaren Linie und wenn Sie sie haben, heißt es: Übung macht den Meister.

Beim Fotografieren schon alles richtig machen

Digitale Fotografie beginnt mit guten Ausgangs- bzw. Rohdaten, klar. Und neben der Auflösung sind der Bildausschnitt und die Schärfe Faktoren, die Sie schon beim Aufnehmen weitestgehend so beeinflussen können, dass Sie sie später nicht mehr oder kaum bearbeiten müssen.

Inwiefern das gelingt, hängt natürlich auch von den Rahmenbedingungen Ihres Shootings ab. Es macht einen großen Unterschied, ob die Fotos drinnen in einem mobilen Studio mit Blitzlicht oder Dauerlicht aufgenommen werden, oder draußen bei Tageslicht. Womöglich sogar mit Reportagecharakter im freien Spiel.

Grundsätzlich gilt fürs mobile Studio:
  • Sie haben volle Kontrolle über das Licht, d.h. über Belichtung, Weißabgleich und Schärfe, und natürlich über die Lichtführung.
  • Es bietet sich an, den Bildausschnitt schon gleich bei der Aufnahme mitzubedenken und das Foto entsprechend gleich „richtig zu machen“. Bitte beachten Sie, dass manche Fotoprodukte ein anderes Seitenverhältnis haben können als Ihre Aufnahmen. Deswegen ist es ratsam, im Zweifel lieber etwas mehr Raum um das Hauptmotiv herum zu lassen.
… und für draußen/Outdoor:
  • Häufig wechselnde Lichtverhältnisse erschweren die Kontrolle über Belichtung, Weißabgleich usw.
  • Gerade im freien Spiel sind Ihre wache Reaktion und Flexibilität gefragt. Unter der Schnelligkeit leiden potentiell alle Parameter: Schärfe (Verwackeln, Bewegungsunschärfe, ungenaue Fokussierung), Belichtung, Weißabgleich (insbesondere verblauende Schatten) oder der Bildausschnitt.

Tipp: Wann immer Sie die Möglichkeit dazu haben, arbeiten Sie auch draußen mit Blitzlicht und Aufhellern, um konstante Ergebnisse zu erzielen und sich die Arbeit später zu erleichtern.

Dateiimport 

Es kann gar nicht oft genug betont werden: Wer kennt sie nicht, die Horrorgeschichte des verlorengegangenen Shootings eines entfernten (oder näheren …) Kollegen, weil irgendetwas nicht funktioniert hat, wie es sollte, und keine Sicherheitskopie vorlag!? 

Also: Sichern Sie Ihre Dateien – mindestens doppelt. Und zwar von Anfang an. Am besten gleich nach dem Shooting.

Das sollte nicht ein Schritt in Ihrem (Bildbearbeitungs-)Workflow sein, sondern immer wieder passieren.

Struktur und Organisation

Für eine einfach verständliche und übersichtliche Ordnerstruktur können Sie sich schon mal ein Lob aussprechen. Gute Organisation ist nämlich so wichtig wie nicht immer selbstverständlich.

Bauen Sie sich kein Ordnerlabyrinth! Gerade wenn es an verschiedene Bearbeitungsvarianten, die Vorauswahl und die Auswahl der Vorauswahl geht, ist eine klare Ordnerstruktur entscheidend. Original und Bearbeitungen müssen einfach zu finden sein, unnötige Duplikate vermieden werden usw.

Und sortieren und auswählen geht heutzutage auch anders als mit Ordnern auf der Festplatte. Die Smart-, Schnell- und normalen Sammlungen von Lightroom sind z.B. ein ungemein hilfreiches Tool, wenn es darum geht, der Verschachtelung zu entgehen. Ihre Funktionen können Sie im Lightroom-Benutzerhandbuch nachlesen. U.a. machen sie es möglich, die eigenen Bilder mit Sternen zu bewerten. Für eine zügige Vorauswahl kann das sehr hilfreich sein.

Bildbearbeitung in der Postproduktion

Fotos, die im mobilen Studio entstanden sind, lassen sich in der Regel schneller und weniger aufwendig bearbeiten als draußen aufgenommene – egal ob Sie dafür Lightroom, Capture One oder Photoshop verwenden.

Eins möchten wir Ihnen noch dringend nahe legen, so kühl es klingen und so sehr es dem kreativen Geist zuwider sein mag. Da müssen wir durch:

Langwierige Bildbearbeitung frisst Minute um Minute Ihren Gewinn auf.

Das ist nun einmal eine Tatsache und viele von Ihnen möchten schließlich von Ihren Aufnahmen leben. Den Bildbearbeitungsworkflow klar zu strukturieren und aufs Nötige zu reduzieren ist als professioneller Kindergartenfotograf oder Schulfotograf unabdingbar. 

Tipp: Führen Sie sich Ihren aktuellen Workflow am besten einmal direkt vor Augen. Schreiben Sie stichpunktartig auf, wie Sie vorgehen. Vielleicht ist hier und da die Reihenfolge nicht ganz klar und es geht mehr nach Situation und Intuition …

Und dann gleichen Sie Ihre Notizen ab mit den folgenden Hinweisen und Tipps. Was lässt sich anpassen, abändern, womit sind Sie ohnehin unzufrieden und was läuft genau richtig?

Ihr Workflow: Schritt für Schritt zum fertigen Bild in der Kindergarten- und Schulfotografie

Vom „Bigger Picture“ zum Detail: Unserer Erfahrung nach ist es sinnvoll, mit den Bearbeitungsschritten loszulegen, die das ganze Foto betreffen bzw. sogar mehrere Aufnahmen. Kümmern Sie sich um die Details und kleinere Veränderungen in einzelnen Fotos erst im Anschluss.

Wir schlagen Ihnen die folgende Reihenfolge vor:

1. Croppen/zurechtschneiden und drehen

Unserer Erfahrung nach handelt es sich hierbei um den zeitraubendsten Arbeitsschritt. Gleichzeitig um die größte Veränderung in der Bearbeitung, da sie die gesamte Bildkomposition betrifft.

2. Objektivkorrekturen

3. Belichtung, Kontrast und Tonwertkorrektur

Ton ist nicht gleich Farbe. Der Ton beschreibt die Helligkeit aller Pixel von ganz weiß bis schwarz. Da diese Anpassungen große Auswirkungen auf das gesamte Foto haben können, schließen Sie sie lieber vor den Farbsettings ab.

4. Weißabgleich und Farbe

Wenn der Weißabgleich eine umfassendere Korrektur verlangt, etwa weil ein Indoorfoto mit Outdooreinstellungen gemacht wurde, ist dieser Schritt am besten noch vor der Tonwertkorrektur vorzunehmen. Wenn „alles sitzt“, dann weiter zu Sättigung und Dynamik.

5. Selektive Bereiche korrigieren

Dieser Schritt schließt u.a. das Abwedeln und Nachbelichten sowie selektive Farbkorrekturen ein, stellt in der Kindergarten- und Schulfotografie aus Zeitgründen aber sicher die absolute Ausnahme dar.

6. Rauschen reduzieren

Wurde mit einer hohen ISO-Einstellung bei Dunkelheit gearbeitet oder ist das Foto (teilweise) unterbelichtet, kann eine Rauschreduktion notwendig sein. Da die bisher vorgenommenen Veränderungen Einfluss auf die Sichtbarkeit des Rauschens haben können, widmen Sie sich dieser Korrektur lieber erst jetzt.

7. Schärfe

Schärfe bedeutet Kontraste zu setzen. Helligkeit und Dunkelheit benachbarter Pixel entlang der Kanten innerhalb eines Fotos bestimmen die Schärfe. Je höher der Kontrast, desto schärfer das Motiv. Sie erst jetzt nachzuarbeiten, macht also Sinn.

8. Retusche

Haben alle vorangegangenen Arbeitsschritte noch nicht dabei geholfen, geht es jetzt darum, Kleinigkeiten zu korrigieren bzw. zu entfernen.

9. Andere besondere Effekte

Grundsätzlich gilt natürlich immer: Je weniger Arbeitsschritte Sie von den aufgezählten tatsächlich brauchen, desto schneller geht’s.

Dann und wirklich erst dann …

Nehmen Sie jegliche Veränderungen, die die Bildauflösung beeinflussen, erst ganz zum Schluss vor und behalten Sie immer Ihre Originaldatei bei! Ein guter Bildbearbeitungsworkflow erlaubt es Ihnen, Ihre Meinung über Bearbeitungsschritte zu ändern und sie auch später noch ohne Qualitätseinbußen anzupassen.

Ihr Workflow entscheidet mit

… über Erfolge und Misserfolge, zufriedene Kunden, gutes Timing, Gewinn und Verlust und vor allem über Ihre ganz eigene Zufriedenheit.

Steckt hinter Ihrem Arbeitsablauf in der Postproduktion keinerlei System, lauert ständig unnötiger Stress auf Sie. Womöglich auch genau die Qualitätseinbußen, die Sie so dringend vermeiden möchten.

Ihren idealen Workflow schaffen Sie sich nicht von heute auf morgen. Er ist ein Prozess wie so vieles im Leben. Jeder Schritt will vielfach geübt sein, bevor sich ein stimmiger und routinierter Gesamtablauf entwickelt.

Vielleicht macht es Sinn, sich probehalber eine Liste mit Ihren Schritten an Ihrem Arbeitsplatz anzubringen. Bevor die Gedanken nach einem Schritt abdriften können, werfen Sie einen Blick auf Ihren Workflow-Pfad und weiter geht’s …

Anita Lingott